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Aksakow: Ein epochemachendes Phänomen.
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mathematische Genauigkeit, an das exacte Maass der Dinge,
an die Beobachtung und das Studium der Naturerscheinungen
vom mechanischen Gesichtspunkte aus gewöhnter Mann.
Auch war ich sehr erstaunt, als ich in seinem Arbeitskabinet
das Portrait des Philosophen Mainländer erblickte, über den
Herr Seiling mir mittheilte, dass er eine Vorliebe für die
Lehren dieses Philosophen hege, dass er aus ihnen ein
Spezial-Studium gemacht, ja dass er sogar eine Schrift über
ihn verfasst hätte unter dem Titel: — „Mainländer ein
neuer Messias" (München, 1888). Also auch selbst in
philosophischer Hinsicht kann die Richtung der Ideen des
Herrn Seiling als dem Spiritismus durchaus nicht günstig
bezeichnet werden; denn Mainländer ist als Pantheist und
Schüler Schopenhauer'&, wiewohl dieser die Phänomene des
Magnetismus und Somnambulismus seiner Zeit nicht verwarf,
sondern deren Weiterstudium dringend empfahl, jeder
Lehre, welche die Fortdauer des individuellen Prinzips
nach dem Tode annimmt, vollständig abgeneigt. Infolgedessen
ist die Theilnahme des Herrn Seiling an spiritistischen
Seancen zum ersten Mal in seinem Leben keineswegs motivirt
durch eine Vorneigung zu Gunsten seiner Lehren und
Phänomene, und sein Zeugniss ist durch kein Interesse
weder für, noch wider ihre Realität beeiutlusst gewesen.
Frau Seiling und Fräulein Tavaststjerna müssen
auch für ausgezeichnete Zeuginnen erachtet werden: — als
von einer vollendeten Erziehung, von einem positiven und
überlegten Geiste, von einem ruhigen und ernsten Charakter,
— jedes ihrer Worte flösste das grösste Vertrauen ein; sie
erzählten kaltblütig, was sie gesehen und beobachtet hatten,
und man begriff, dass es dabei keinerlei Uebertreibung, noch
Einbildung, noch vorgefasste Meinung gab.
Was Fräulein Hjelt betrifft, so muss ich meine Leser
noch etwas näher mit ihr bekannt machen. Ich habe schon
früher gesagt, dass ich von der Genauigkeit beeindruckt
war, mit der Fräulein H. über die in Rede stehende
Seance Rechenschaft ablegte. Die persönliche Bekanntschaft
, die ich mit ihr machte, steigerte nur die gute
Meinung, die ich mir von ihr gebildet hatte. Ich hatte das
Vergnügen, vor mir die lebendige Verkörperung des
gesunden, thätigen und praktischen Menschenverstandes zu
erblicken. Und dieser Eindruck wurde vollständig bestätigt
durch die Auskünfte, welche mir über diese Dame gegeben
wurden. Passend für meinen Zweck finde ich in der
schwedischen Frauenzeitung — „Idun" — vom 18. März 1892
eine biographische Notiz mit dem Portrait des Fräuleins
Hjelt, welches diese Zeitung — „eine der hervorragendsten
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