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Desor: Die Röntgen'schen X-Strahlen u. v. Reichenbach's „Od". 341
Glaubensbekenntniss zu excerpiren und dasselbe zu Nutz
und Frommen Jedermanns „etwas tiefer" zu hängen. —
Suum cuique!
Der Titel jener Broschüre lautet: —
„Die letzten Tage der Odlekre und ihres Urhebers"
von
Gustav Theodor Fechner*)
Leipzig 1876.
Gleich in der „Vorerinnerung" enthält dieselbe folgende
klassische Stelle, die eines weiteren Commentars eigentlich
nicht bedarf: —
„Die sogenannte Odlehre scheint seit dem Tode ihres
„Erfinders — so muss man Herrn v. Reichenbach wohl
„nennen — ziemlich verschollen oder gegen den Spiritismus
, womit sie eine entfernte Verwandtschaft hat,**)
„in den Hintergrund getreten. Inzwischen dürfte
„folgender Beitrag zur Geschichte derselben immer noch
*) Man vergl. über Prof. Fechner „Psych. Stud." April-Heft 1876
S. 188 ff., März-Heft 1877 S. 132 ff., Juni-Heft 1879 S. 287, September-
Heft 1879 S. 427 ff., October-Heft 1879 S. 433 ff., December-Heft 1879
S. 543, October-Heft 1887 S. 471, f 18. November 1887 1. December-
Heft 1887 S. 583. Wir müssen jedoch Prof. Fechner gegenüber dem
Herrn Verfasser obigen Artikels, der die damaligen Leipziger Verhältnisse
nicht kennt, insofern in Schutz nehmen, als derselbe dennoch
sowohl in seiner angezogenen kleinen Schrift über die „Odlehre" für
den Mediumismus, wie später beim Auftreten Hansen^ für den Hypnotis-
mus Zeugniss in seiner von seinem evangelischen Glauben (er war eines
Pastors Sohn) stark beeinflussten Weise abgelegt hat, deren Erscheinungen
er allerdings der „Nachtseite" des Daseins zuschrieb. Aber in seinen
damaligen Verhältnissen konnte er wirklich nicht lebhafter für eine so
verfehmte Sache agitiren, als er es gethan hat, da ja selbst der muthige
Zöllner, wenn er am Leben geblieben wäre, seine Stellung an der
Leipziger Universität verloren hätte, wie er mir und noch einem anderen
Herrn in seinen letzten Lebenstagen zu verstehen gegeben hat, als er
sich — resolut, wie er war, — bereits nach einer auswärtigen Anstellung
umzusehen begann. Durch Fecfmer's, Weber's und Scheibner's
Parteinahme für Zöllner wurden wenigstens damals die Blicke der
„Exacten" auf das im Spiritismus vielleicht doch noch vorhandene Physikalisohe
hingelenkt. Freilich vergebens, da man in dieser Richtung nur
Phantastisches zu erkennen vermeinte. Und noch heut zu Tage besteht
ein grosser King des Unglaubens, der die Wahrheit um keinen Preis
aufkommen lassen und zu deren Verbreitung beitragen will. Wir
bringen das Folgende nur im Hinblick auf die weitere Stellungnahme
der sogenannten Exacten gegenüber dem Mediumismus, die sich vor
dem Spiritismus einfach fürchten und ihn deshalb durch ihr völliges
Ignoriren zum Stillstand zu bringen suchen. E pur si muove! —
Der Sekr. d. Red.
**) Dieser Satz zeigt zur Genüge, wie wenig vertraut Professor
Fechner eigentlich mit dem Wesen der Odlehre und des Spiritismus
war. — F. Desor.
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