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128 Psychische Studien. XXVI. Jahrg. 3. Heft. (März 1899.)
berühmten William Crookes glauben, der doch auch ein
Wissenschaftler ist, und dennoch die Schwachheit besitzt,
uns die langen und wiederholten Gespräche anzuführen, die
er mit dem Schatten der Kaiie King pflegte, welche er sehen,
berühren, hören und photographiren konnte, und dies
wenigstens zwanzig Mal. Erscheinen Ihnen diese Phänomene
wirklich als so „absurd, in Folge der Plumpheit und
Geringfügigkeit dieser lächerlichen Manifestationen; absurd,
weil sie im Widerspruche mit allen bekannten Thatsachen
stehen?"
Schlagen Sie die Geschichte auf, Herr Prcf. Richet, und
sehen Sie, ob als absurde und geringfügige Phänomene die
alten Orakel, der Dämon des Sokrates, die Wunder der
Heiligen, die innere Stimme der Jeanne tfArc, sowie ferner
die geheimen Fähigkeiten eines Apollonius und Swedenborgr,
die Gottesurtheile und der Prophetismus in den Cevemnen,
dann die Erforschung des geheimnissvollen Landes der verzauberten
Schlösser, der weissen Frauen und des Fakirismus
anzusehen sind — alles Dinge, welche wir bereits im Laufe
dieses Werkes angetroffen haben, oder noch antreffen werden
und die wir sich immer interessanter gestalten sehen werden,
je mehr wir uns der Jetztzeit nähern! —
Studiren Sie die heutigen Thatsachen, die von so vielen
ansehnlichen Persönlichkeiten bestätigt werden, dass Crookes
mit Recht behaupten konnte, dass keine Thatsaehe der Geschichte
so beglaubigt sei, wie die der spiritistischen Erscheinungen. Dürfen
wir uns denn nur an den Glauben der wenigen Phänomene
halten, welche uns selbst festzustellen vergönnt war? Wird
denn ein Geograph den Glauben an das Dasein jener Länder
verweigern dürfen, die er nicht gesehen hat, und ein Geschichtsschreiber
nicht den Thatsachen Rechnung tragen,
denen er natürlich nicht beiwohnen konnte, oder ein
Physiker alle jene Experimente verwerfen, die eben nicht in
seinem Laboratorium angestellt wurden ? Würde dies eine
wissenschaftliche Methode sein, oder dürfte sie uns vielmehr
nicht zu jenem Empirismus hinführen, zu jenem Mangel an
Fortschritt, den Sie gerade beklagen?
Machen wir es also nicht wie die Schriftgelehrten, wenn
wir Christus nachfolgen wollen, und nicht wie die Gelehrten
von Salamanca, um Columbus nachzustreben."---
So Verne in seinem berühmten Werk, das dem deutschen
Lesepublikum durch seine Uebersetzung zugänglich gemacht
zu haben ein bleibendes Verdienst des sprachgewandten
Herausgebers der „Zeitschrift für Spiritismus" bleiben wird.
Werfen wir nun aber noch einen kurzen Rückblick a
den von uns übersetzten Brief Bouviry's an denselben V
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