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404 Psychische Studien. XXVI, Jahrg. 7. Heft. (Juli 1899.)
er mit eigenen Worten nur, wie ihm entweder das mediumi-
stische Tatsachenmaterial eine nterra incognita" ist, oder
wenn nicht, wie er über keine eigenen Erfahrungen auf
diesem Felde verfügt, beziehungsweise, dass er sich noch
in jener suggestiven Zunftstudien-Geistesverfassung befindet,
in welcher eine so seichte Behauptung, trotz ihrer Seichtig-
keit, nur vermöge ihrer Skepsis imponiren kann.
Und warum wäre die Existenz des Geistes unbeweisbar
?
Vor Allem muss ich constatiren, dass mir Herr Dr. B.,
was ich vollkommen unzulässig finde, unter einer falschen
Magge zu segeln scheint. Denn wenn er diesen Einwurf
berechtigt findet, wie er dies augenscheinlich thut, so negirt
er den Geist, wie er durch die somnambulen und mediumistischen
Thatsachen bewiesen wurde, überhaupt, und in
diesem Falle, wie kommt er dazu, in einem spiritistischen
Fachblatte*) spiritistische Fachliteratur zu kritisiren?!
Ist Herr Dr. B. ein Gegner der Lehre vom Primat
des Geistes, von der Möglichkeit des Dokumentirens des
Geistes in der materiellen Welt, so ist er ein reiner Materialist,
und ein verkappter Gegner des Lagers, in weiches er sich
dann eingeschlichen hätte! Wäre das aber der Fall, so wäre
dies ein Etwas, was ich nicht nennen will, da ich überzeugt
bin (und hoffe, dass ich mich nicht irre), dass er diese
Behauptung aufstellte, ohne deren Tragweite zu kennen.
Ist er aber selbst ein Anhänger Ed. t\ Hartmanns,
so müsste er dies offen bekennen, damit er uns und das
Publikum durch seine Kritiken nicht irre führt; denn obwohl
Hartmann die mediumistischen Thatsachen anerkennt,
sofern sie sich durch seine hirnverdrehten Theorien von den
Wundern erklären lassen, die durch den larvirten Somnambulismus
und durch das Unterbewusstsein ausgeführt werden
sollen und die von Dr. du Prel so trefflich in seinem Werkchen
„Der Spiritismus" abgeblitzt werden, ist er der grösste
Gegner desjenigen Standpunktes, für welchen die „Psych.
Stud." nun schon im 26. Jahrgang die Lanze brechen.
*) Wir bemerken hierzu, dass die „Psych. Stud." als Organ zur
wissenschaftlichen Erforschung der bis jetzt wenig gekannten Seiten
und Erscheinungen des menschlichen Seelenlebens schon nach ihrem
Titel doch nicht wohl den Anspruch erheben können, als „spiritistisches
Fachblatt" zu gelten, an dem nur „gläubige" Okkultisten mitarbeiten
könnten, weshalb auch wir selbst bei Uebernahme der Redaktion
im November-Heft vor. Jahres ausdrücklich erklärten, dass die Er-
gründung der Wahrheit unser einziges und höchstes Ziel bleibe,
und dass uns Beiträge ehrlicher Skeptiker gleich willkommen, wie die
Mittheilungen überzeugter Spiritisten sein werden. Die Red.
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