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152 Psychische Studien, XXX, Jahrg. 3. Heft. (März 1903.)
mistischen Versuche zur Verfügung zu stellen. Das Experiment
fand in meiner Wohnung statt. Am Tage vorher
hatte ich sieben photographische Platten präparirt und mit
Collodium-Emulsion Übergossen, Ich benutzte eine Warner k£
sehe Kamera, stereoskopisch, Konstruktion von Dalmeyer.
Eine gewöhnliche kann meinerseits deshalb keine Anwendung
finden, da sich die Doppelbilder einander ergänzen müssen
und dadurch die eventuell auftretenden Fehler leichter zu
erkennen sind, die auf der Platte bei Entwickelung des
Negativs zum Vorschein kommen können. Uebrigens ist
die von mir angewandte stereoskopische Kamera von solchen
Dimensionen, wie sie selten bei Photographen in Bussland
in Gebrauch sind. Infolgedessen muss ich jedesmal, wenn
ich neuer Platten bedarf, solche beim Photographen oder
Glaser bestellen, und sie müssen dann von einer ganzen
Glastafel abgeschnitten werden, die noch niemals für photographische
Manipulationen gedient hat.
Ich beschreibe alle diese Einzelheiten aus dem Grunde
so genau, um zu zeigen, welche Vorsichtsmassregeln meinerseits
angewandt wurden, die wohl auch jeder Physiker
und jeder Photograph für vollständig ausreichend erachten
wird.
Vermittelst der Psychographie wurde uns ein Morgen
angegeben, an dem das Experiment unternommen werden
sollte; es wurde genau bestimmt, wieviel Platten exponirt
werden müssten, und schliesslich gesagt, die dritte Platte
würde ein mediumistisches Bild aufweisen.
(Schluss mit Bild folgt.)
Hysterie und Nervosität.
Von Dr. med. Willy Hellpacli.
(Schluss von Seite 95.)
Wenn uns auch die letzten vier Jahrzehnte vornehmlich
durch das Genie Charcofs dem Verhältniss der Hysterie
näher gebracht haben, so ist die Krankheit dennoch uralt,
so alt wohl wie die Menschheit. Wir wissen jetzt, dass
alle religiösen Epidemieen, jene Tragödien des Aberglaubens
und der Zauberei, die uns die Geschichte des Mittelalters
meldet, zum guten Teil auf der Grundlage hysterischer
Erkrankung erwachsen sind. Das sind Dinge, die Alfr.
Lehmann in seinem Buche „Aberglaube und Zauberei44 eingehend
dargelegt hat. Ich kann mich des Eindrucks nicht
erwehren, dass die Hysterie sogar abgenommen hat. Mit
der zunehmenden Entfaltung des Individuums und seiner
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