Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Bibliothek, Frei122-Z5
Aksakov, Aleksandr N. [Begr.]
Psychische Studien: monatliche Zeitschrift vorzüglich der Untersuchung der wenig gekannten Phänomene des Seelenlebens
33. Jahrgang.1906
Seite: 392
(PDF, 221 MB)
Bibliographische Information
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392 Psychische Studien. XXX1IL Jahrg. 7. Heft. (Juli 1906.)

Sophie bei dem Piano stehen und gleichzeitig auf dem
Sofa liegen sehen. —

Eine merkwürdige Besonderheit dabei ist, dass das Be-
wusstsein in der Verdoppelung einen anderen Platz eingenommen
zu haben scheint. Bei einer früheren Doppelgängerei
war dies noch viel deutlicher ans Licht getreten
.*) An einem Augustnachmittag hatte die damals
zwanzigjährige Sophie Swoboda sich wegen heftigen
Kopfwehs in dem Zimmer ihrer Mutter auf das Sofa
gelegt und war schliesslich eingeschlafen. Es schien ihr,
dass ihre Mutter das Zimmer leise verliess und sie erwachte
. Sie fühlte sich jetzt erquickt und stand auf, um
ihrer Mutter zu folgen und ihr diese günstige Veränderung
mitzuteilen. Die Mutter sass mit Häkeln beschäftigt da,
ihr gegenüber sass ihr Mann, um aus Bonaventuras „Mystischen
Nächten" zu lesen. Sophie stellte sich zwischen die
beiden und wartete auf eine Pause in der Lektüre; allein
die anderen nahmen keine Notiz von ihr, obwohl sie mehrmals
aufsahen, um einander ihr Urteil über das Gelesene
zu sagen. Verwundert zog Sophie sich in die Fensternische
zurück und hörte dem Lesen zu. Kurz darauf stand die
Mutter auf und sagte: „Sophie*& Unwohlsein beunruhigt
mich, ich will einmal schnell nach ihr sehen." Nun ging
Sophie rasch auf sie zu, um sie zu beruhigen, allein ihre
Mutter sah nicht nach ihr um, sondern begab sich in das
Zimmer, wo Sophie sie, um sich zu entdecken, mit einem
Kuss übeiraschen wollte. Allein die Mutter eilte in banger
Furcht zu dem Sofa, auf welchem Sophie sich niedergelegt
hatte, und rief der durch eine andere Türe eintretenden
Schwester Therese voll Sorge zu: „Wie bleich sie ist!"
Sophie schaute jetzt nach der angewiesenen Richtung und
shL. sich leichenblass und mit geschlossenen Augen auf dem
Sofa liegen. Mutter und Schwester beugten sich besorgt
über sie hin und riefen sie beim Namen, was Sophie veranlasste
, in die nächste Nähe zu treten, um endlich gesehen
zu werden. Allein in demselben Augenblick fühlte sie sich
wie durch einen Schlag auf das Ruhebett geworfen. Mühsam
und langsam öffnete sie die Augen und richtete sich
mit Hilfe der beiden Frauen auf. Nachdem sie sich etwas
erholt hatte, erzählte sie, was ihr begegnet war, und ihre
Eltern waren nicht wenig überrascht, als sie ihnen die gelesenen
Seiten fast wörtlich wiederholte, da sie doch drei
Zimmer entfernt gelegen hatte und die Türe verschlossen
gewesen war.

*) „Psych. Stud.% 1879, S. 294.


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