Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Bibliothek, Frei122-Z5
Aksakov, Aleksandr N. [Begr.]
Psychische Studien: monatliche Zeitschrift vorzüglich der Untersuchung der wenig gekannten Phänomene des Seelenlebens
35. Jahrgang.1908
Seite: 727
(PDF, 215 MB)
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Reinke: Der heutige Stand der Abstammungslehre. 727

bewusste psychische Empfindung des Moschusgeruchs, ein
zweifellos weder chemischer, noch mechanischer Vorgang,

Mit den Tonempfindungen und den Farbenempfindungen
steht es nicht anders. Luftwellen von bestimmbarer
Schwingungszahl treffen das Ohr, und der durch sie veranlasste
Reiz pflanzt sich fort zum Grosshirn, wo die Seele
nunmehr Akkorde und Melodien wahrnimmt, die etwas von
den Luftschwingungen ganz Verschiedenes sind. Aber
mittelbar sind jene mechanischen Wellenstösse zweifellos
die Ursache der seelischen Empfindung des Tonstücks; die
Vermittelung und Uebertragung des Kausalzusammenhangs
ist freilich rätselhaft. Wenn der Lichtäther Schwingungen
einer bestimmten Zahl von Wellenstössen, z. ß. von 800 Billionen
in deV Sekunde, auf die Netzhaut unseres Auges
wirken lässt. so werden diese Schwingungen durch den
Sehnerven zum Grosshira geleitet. Was sie hier unmittelbar
bewirken, ist uns unbekannt; mittelbar bewirken sie im
Bewusstsein der Seele die Empfindung von Violett. —

Dass die Seele sich erst mit dem Leibe und durch die
Zeugung dieses entwickelt, ist eine Tatsache. Allein sie
bringt uns das Verständnis des Verhältnisses beider nicht
näher. Der Materialismus hat darum die Seele mit dem
Gehirn identifizieren wollen, doch eine solche Identifizierung
ist nicht haltbar. Das Gehirn ist ein maschineller Automat
von grosser Komplikation; aber wäre es noch viel
komplizierter, die Entstehung des Bewusstseins und des
Denkens würde dadurch nicht vorstellbar gemacht. Eine
Denkmaschine zu konstruieren, fällt heutzutage niemandem
mehr ein.

Umgekehrt wie Stoss und Chemismus auf die Seele
durch Vermittelung der Nerven einwirken, wirkt auch die
Seele ein auf die materielle Welt. Wenn ich durch Nachdenken
zu einem Entschluss komme und diesen Entschluss
durch Muskelbewegungen und mechanische Arbeit irgendwelcher
Art zur Ausführung bringe, so habe ich darin ein
Beispiel der kausalen Abhängigkeit mechanischer von seelischen
Vorgängen geliefert. —

Um das hier verborgene, nach meiner Ueberzeugung
unlösbare und darum ruhig hinzunehmende Rätsel zu umgehen
, ist man auf einen Ausweg verfallen, den sogenannten
psychophysischen Parallelismus.

Diese Lehre nimmt an, dass Materielles und Psychisches
oder Seele und Leib wechselseitig nicht aufeinander
einwirken können, dass aber jedem psychischen Prozess ein
nebenher laufender materieller Vorgang entspricht und
ebenso den materiellen Vorgängen in den Zellen der Gross-


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