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528 Psychische Studien. XLII. Jahrg. 12. Heft. (Dezember 1915.)
Persönlichkeit oder das Unterbewußtsein war kein vernünftiger
Grund vorhanden, sich nicht zu manifestieren. So gut für
Dr. Hodgson von dem sog. Unterbewußtsein eine Botschaft fabriziert
wurde, so gut konnte es doch auch für Lenore geschehen.
Ich habe die umfassende Studie — sie enthält 660 Druckseiten
— nur im Umrisse gegeben. Würden unsere Skeptiker
sich die Mühe nehmen, deraitige Experimentalergebnisse sorgsam
zu prüfen, ich bin überzeugt, manches Vorurteil würde fallen gelassen
.
Streiflichter auf japanischen Kultus
und japanische Kultur.
Von Dr. med. Franz Freudenberg, z. Zt. Cassel.
(Fortsetzung von S. 482.)
Die Blüte der gegenwärtigen Kunst- und Gewerbeindustrie
ist in dem umfangreichen Gewerbemuseum ausgestellt. Die Preise
sind teils angegeben, teils von den Beamtinnen zu erfragen.
Manche Gegenstände kommen aus Yokohama, wiewohl Kyoto in
der japanischen Kunstindustrie den ersten Platz behauptet. —
Während man in den Küstenplätzen jetzt ziemlich sicher
auf den regelmäßigen Bezug von Milch und Butter rechnen kann,
ist dies im Inland anders. Der Japaner geht von der Anschauung
aus, daß die Kuhmilch dem jungen Rinde gehöre und nur diesem.
Daher bringt er Milch nur für Europäer auf den Markt und hat
durch diese erst die Butter kennen gelernt. Er selbst verzichtet
darauf und lebte bis vor kurzem streng vegetarisch. Da mit dem
letzten Krieg jedoch beim Militär Fleischernährung eingeführt ist,
kommt diese jetzt mehr in Aufnahme. Nur die alten Leute weisen
sie entschieden zurück. Überhaupt tötet der Japaner nicht gerne
ein Tier, entsprechend Buddhas Lehren. Doch wenn er junge
Hunde und Katzen z. B., statt sie schonend zu töten, aussetzt
und verenden läßt, ist dies entschieden grausamer. Oft hört man
solche arme Tiere nächtelang wimmern. Kühe werden nie zu
Feldarbeiten benutzt, nur Stiere. Auch darin spricht sich eine
große Liebe zu Tieren aus, daß man in Japan sogar für billiges
Geld beim Tode solcher Lieblinge des Hauses für diese auf einem
Friedhof unter gewissen kirchlichen Zeremonien ein Begräbnis für
wenige Sen oder Yen erlangen kann. Für die Genügsamkeit der
unbemittelten ländlichen Bevölkerung spricht die allgemeine Benutzung
von Tang neben minderwertigem Reis als Nahrungsmittel.
Der aus Reis gebraute Schnaps, sherryartig schmeckend, ist sehr
beliebt, doch sieht man Trunkene, wie gesagt, selten. Nach europäischem
Muster gebraute Biere von mäßiger Güte (am besten das
Kirinbier) und einheimische Mineralwässer sind jetzt fast überall
zu haben.
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