Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Bibliothek, Frei122-Z5
Aksakov, Aleksandr N. [Begr.]
Psychische Studien: monatliche Zeitschrift vorzüglich der Untersuchung der wenig gekannten Phänomene des Seelenlebens
43. Jahrgang.1916
Seite: 125
(PDF, 148 MB)
Bibliographische Information
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Schnellen: Zur Kritik des Positivismus.

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Welträtsels zunächst mit Vorsicht oder Mißtrauen aufnehmen.
Nur „soll zu diesem heilsamen Mißtrauen dann die ernste sachliche
Prüfung der neuen Ansprüche treten** (39). —

Sehen wir uns also zunächst einmal die Grundgedanken dieses
modernen relativistischen Positivismus an. — P e t z o 1 d selbst
faßt sie gleich zu Anfang seines Buches (Vorwort S. V) in folgenden
Sätzen zusammen: „Es gibt keine Welt an sich, sondern nur
eine Welt für uns. Ihre Elemente sind nicht Atome oder sonstige
absolute Existenzen, sondern Farben-, Ton-, Druck-, Raum-, Zeit-
usw. .Empfindungen*. Trotzdem sind die Dinge nicht bloß subjektiv
, nicht bloß Bewußtseinserscheinungen; vielmehr müssen
wir die aus jenen Elementen zusammengesetzten Bestandteile
unserer Umgebung in derselben Weise wie während der Wahrnehmung
fortexistierend denken, auch wenn wir sie nicht mehr
wahrnehmen** (V). —

Schon diese ersten Sätze fordern entschieden die Kritik
heraus. „Es gibt keine Welt an sich**.? Ja, woher weiß
P e t z o 1 d das denn so genau ? Ich meine: wenn er sich, wie
es seine Absicht ist, wirklich innerhalb der Grenzen der „reinen
Erfahrung** hält, dann kann er allenfalls behaupten: „wir wissen
es nicht, ob es eine Welt an sich gibt oder nicht. Denn wenn es
eine gibt, so können wir doch niemals etwas von ihr erfahren
oder sonstwie erkennen. Ja, wir können * sie ohne Widerspruch
nicht einmal denken (199). Die Welt, die uns allein etwas angeht
, weil wir nur sie kennen, ist eine Welt für uns: die Welt der
uns unmittelbar gegebenen sinnlichen Elemente (Empfindungen)**.
— Das ließe sich allenfalls noch hören, obschon es, wie wir gleich
sehen werden, im Grunde auch unrichtig ist. Mit dem Satze:
„es gibt keine Welt an sich** aber verstößt P e t z o 1 d gleich von
vornherein gegen die eigenen methodischen Grundsätze des Positivismus
. Er beginnt mit einem negativen Dogma über das, was
jenseits aller Erfahrung liegt. Und dann? Ja, dann stößt er mit
dem letzten seiner drei Sätze dieses negative Dogma des ersten
eigenhändig wieder um. Denn wenn die Bestandteile unserer Umgebung
so, wie wir sie .wahrnehmen, auch während der Pausen der
Wahrnehmung fortbestehen, dann sind sie eben nicht nur für uns,
sondern auchansichda: sie sind „Dinge an sich**, die nur
während der Wahrnehmung auf rätselhafte Weise zugleich zu
„Dingen für uns** werden. Und ihre angeblichen „Elemente**, die
sinnlichen Empfindungen, zu denen P e t z o 1 d (verführt durch
Ernst Mach) wunderlicher Weise auch die rein formalen Beziehungen
des Raumes und der Zeit rechnet, spielen in dieser
Welt an sich während der Pausen unserer Wahrnehmung genau
dieselbe Rolle als absolute (d. h. hier: von uns unabhängige)
Existenzen, wie die Atome in der Welt der mechanischen Naturwissenschaft
! — Die Grundanschauung des Positivismus ist also


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