http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/psychische_studien1925/0165
üeldnerth: Zum Problem des Medien-Betruges, "j*
161
gebenden polnischen Forscher unseres Gebietes mitgeteilt wurde. Er
erzählte mir, daß er bei seinen Versuchen vielfach mit einem bestimmten
, bekannten Medium, dessen Medialität zweifellos feststeht, arbeitet,
welches jedoch fast bei jeder Sitzung — trotzdem sich immer interessante
, unbestreitbar echte Phänomene einstellen — sich nebenbei auch
kleine betrügerische Manipulationen leistet, bei denen es infolge der
getroffenen Kontrollmaßnahmen regelmäßig ertappt wird.
Das Charakteristische bei diesem Fall bilden folgende Umstände:
Das Medium ist über die strengen Kontrollanordnungen informiert, die
ihm mit Absicht nicht verheimlicht werden; man versucht, auf diese
Weise es auf die Vergeblichkeit seiner betrügerischen Bemühungen hinzuweisen
und es davon abzubringen. Das Medium müßte demgemäß
im Verlaufe der vielen sich wiederholenden Seancen endlich eingesehen
haben, daß die versuchten Täuschungen zwecklos sind, da es ausnahmslos
immer dabei erwischt wird. Und was das wesentlichste ist: es stehen
diesem Medium öfters bedeutende hervorragende Phänomene von unbedingter
Echtheit reichlich zu Gebote, und trotz alledem versucht es
immer wieder nebenbei ganz geringfügige Erscheinungen betrügerisch
hervorzubringen, welche natürlich in Anbetracht der anderen vortrefflichen
und echten Leistungen als ganz überflüssig und absurd wirken
müssen.
Der Warschauer Experimentator leitet die einwandfreie Echtheit
vieler Phänomene dieses Mediums schon allein aus der Tatsache ab, daß
deren Hervorbringung eine physische Unmöglichkeit wäre, und erwähnt
beispielsweise die telekinetischeii? Bewegungen und Uebungen sehr
schwerer Möbelstücke, wozu die Kräfte einer Person unmöglich ausreichen
könnten. Selbstverständlich wird von allen Teilnehmern, die
sich aus maßgebenden sachkundigen und verläßlichen Personen zusammensetzen
, bei diesem Medium um so schärfere Kontrolle ausgeübt.
Es miterliegt demnach keinem Zweifel, daß es sich hier um einen
psycho-pathologischen Fall handelt; das betr. Medium kann trotz der
Nutzlosigkeit seiner Bemühungen dem anscheinend krankhaften Triebe,
zu betrügen, nicht widerstehen. Wir ersehen daraus, daß es auch unter
Medien Psychopathen geben kann. Und warum soll es denn unter echten
Medien, die sich zuweilen auf einer niedrigen Bildungsstufe befinden,
nicht auch unehrliche Menschen geben, wenn es selbst in sog. gebildeten,
wissenschaftlichen und gelehrten Kreisen vorkommen soll, daß beispielsweise
prominente Antiokkultisten trotz ihres großen Ansehens und ihrer
bürgerlichen Reputation bei gewissen passenden Anlässen mittels entstellender
verleumderischer Berichte und Schilderungen ebenfalls zu
unfairen Praktiken greifen, wenn es heißt, den unbequemen Gegner zu
bekämpfen, und sie dieses Ziel in einer vornehmen, würdigen und ehrlichen
Kampf es weise nicht zu erreichen hoffen!
Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, auf die Aeußerungen
des Grafen Klinckowstroem (Dezember-Heft S. 774) zu reagieren, der
sein Erstaunen darüber ausdrückt, „daß immer wieder Medien, deren
wissenschaftlicher Betrug von okkultistischen Forschern selbst zugegeben
11
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/psychische_studien1925/0165